Jahresprogramm 2026
1. Vorträge
20. März 2026 |
Paul Wellershaus (1887-1976):
Ein bergischer Maler der Lost Generation"
Referent: Dr. Joachim Studberg / Wuppertal
Ort: Bürgerhaus, Mehrzweckraum
Beginn: 18.00 Uhr
Am 23. Februar vor fast fünfzig Jahren starb in Vorm Baum bei Remlingrade der Maler Paul Wellershaus (1887-1976). Der Vortrag von Dr. Joachim Studberg will seine Arbeiten im Zusammenhang mit der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, den direkten und langfristigen Folgen des Ersten Weltkrieges, mit Revolution, Weltwirtschaftskrise und Zweitem Weltkrieg betrachten. Zeitgenössische Intellektuelle und Künstler brachten damals den Verlust traditioneller Werte zum Ausdruck, sie verarbeiteten eine allgemeine Desillusionierung, und nicht nur Künstler reagierten mit Exzessen hedonistischer Lebensführung (nicht nur im „wilden“ Berlin der 1920er Jahre), wie auch mit einem Rückzug ins Innerliche und/oder aufs Land.
Als kollektives Phänomen wird dies seit den 1980er Jahren von der Kunstgeschichte untersucht und als zumindest doppelte Tragödie beschrieben: Viele im Kaiserreich geborene Künstler wurden von den Nazis als „entartet“ verfolgt und nach 1945 als „Heimatkünstler“ nochmals verfemt. So fanden trotz hoher künstlerischer Qualität die meisten Maler dieser Generation kaum Anerkennung in Form eines (internationalen) Marktwertes.
Die Arbeiten von Paul Wellershaus gehen bis an die Grenze der abstrakten Malerei, doch blieb er ein „realistischer“ Maler ohne Idealisierung ländlicher Idyllen und ohne gefällige Bilder. Fünfzig Jahre nach seinem Tod ist er ein anerkannter Maler der „Düsseldorfer Schule“ aus Radevormwald, über dessen Leben und Werk zu berichten lohnt.
  
Blick über Sondern 1957 Zerklüftetes Gebirge 1957
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24. April 2026 |
"Wer Geschichte verstehen will, muss seine Familiengeschichte kennen" Michel Friedmann.
Meine Radevormwalder Familie Erlemann wurde von ihren nationalsozialistischen Mitbürgern verfolgt, geschlagen und gefoltert.
Referentin: Dipl.Soz.Wiss. Petra Hafele / Remscheid
Ort: Bürgerhaus Mehrzweckraum
Beginn: 18.00 Uhr
Der 1860 geborene Carl Erlemann betrieb auf seinem landwirtschaftlichen Hof in Radevormwald-Obernhof eine Schmiedewerkstatt.Wegen der sozialpolitischen Situation von Arbeitern und Handwerkern trat er als einer der ersten im ländlichen Bergischen Raum der Sozialdemokratischen Partei bei und gehörte zu den Veteranen der Radevormwalder Arbeiterbewegung.
Mit seinem Gedankengut wuchsen die neun Kinder von Carl und seiner Frau Lydia auf. Sie lernten, sich mit Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe am politischen System, von Emanzipation und Solidarität auseinander zu setzen.
Mit dem Erwachsenwerden engagierten sie sich in der Arbeiterbewegung, den Gewerkschaften, der Partei- und Kommunalpolitik und setzten so der zunehmenden völkischen Hetze und menschenverachtenden Propaganda der erstarkenden Nationalsozialisten Menschlichkeit und Mut entgegen.Darum wurden drei der Söhne unter einem Vorwand nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 festgenommen. Ihre nationalsozialistischen Mitbürger schlugen und folterten Karl, Hugo und Ewald Erlemann im Radevormwalder Polizeigebäude, im Konzentrationslager Kemna und Hugo darüber hinaus in Sachsenhausen.
Karl starb in direkter Folge der Folter.
Nach dem Krieg blieb Hugo politisch aktiv. Als Vorsitzender der Ortsgruppe der KPD arbeitete er wieder für den Rat der Stadt.
Sein Satz: „Man kann nie eine Gesinnung aus einem Menschen rausschlagen, man schlägt sie nur hinein“, bleibt lebendig.

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23. Oktober 2026 |
„Herrschaftsverdichtung im Bergischen. 1225 als Wende“
Referent: Prof. Dr.Wolfgang Hasberg / Universität zu Köln –
Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins –
Ort: Bürgerhaus Mehrzweckraum
Beginn: 18.00 Uhr
Nachdem 1225 der Erzbischof Engelbert I. von Köln, der zugleich Graf im Bergischen gewesen war, ermordet wurde, ging die Grafschaft auf seine Nichte Irmgard über respektive auf deren man Heinrich von Limburg, der wenig später auch seinem Vater als Herzog von Limburg folgte. Der doppelschwänzige Löwe aus dem Wappen der Limburger wurde erst dadurch auch im Bergischen heimisch.
Indem die Grafschaft Berg mit dem Herzogtum Limburg vereinigt wurde, kam es zu einer Herrschaftsverdichtung. Welche Auswirkungen sie auf das Bergisch hatte, das quasi zum Juniorpartner in dieser Konstellation herabgemindert wurde, wird im Vortrag an einzelnen Episoden hinterfragt, der zum Ziel hat, 2025 als ein wichtiges Jubiläum in der Geschichte des Bergischen herauszustellen.

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27. November 2026 |
„Von Schwer zu Edel – Die Gewinnung von Blei und Silber im Bergischen Land zwischen Römerzeit und Mittelalter“
Referent: Dr. Torsten Rünger /Universität Bonn
Institut für Archäologie und Kulturanthropologie
Ort: Bürgerhaus, Mehrzweckraum
Beginn: 18.00 Uhr
Blei und Silber – letzteres im Bergischen Land offenbar ein Nebenprodukt der Bleigewinnung – waren im Römischen Reich wie auch im Mittelalter echte Alltagsmetalle. Sie begegnen uns in vielfältigen Kontexten: von römischen Wasserleitungen und Bleiverglasungen über Münzprägung, Buchdruck und Glockenguss bis hin zur Alchemie. Der Abbau dieser Schwer- und Edelmetalle sowie ihre Weiterverarbeitung hinterließen im Bergischen Land wie auch in der Eifel zahlreiche Spuren.
Die seit 2018 in der Montanlandschaft Bennerscheid bei Königswinter von der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie der Universität Bonn in Kooperation mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland durchgeführten Untersuchungen ermöglichen es, diese Entwicklung über zwei Jahrtausende hinweg nachzuzeichnen. Der Vortrag bietet Einblicke in die Geländedenkmäler, die angewandten Abbau- und Produktionstechniken, die Verarbeitungsplätze sowie in halbfertige Metallobjekte und beleuchtet zudem die Umweltauswirkungen des frühen Berg- und Hüttenwesens.

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2. Exkursionen
13. Juni 2026 |
Stadt und Kloster an der Sieg
und im Siebengebirge

Stadt Blankenberg mit Burg
Ruine des Klosters Heisterbach
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Die erste Exkursion des Jahres führt uns nach Süden, an die Grenze des Bergischen Landes:
Stadt Blankenberg ist ein Ortsteil der Stadt Hennef im Rhein-Sieg-Kreis. Der Bestandteil „Stadt“ des Ortsnamens[2] erinnert daran, dass der Ort von 1245 bis 1805 eine selbstständige Stadt war, zu der auch die umliegenden Ortschaften gehörten. Der Ort ging aus der Burg gleichen Namens hervor, die als Sitz der Grafen von Sayn errichtet wurde.
Blankenberg liegt rund 5,5 Kilometer östlich des Hennefer Stadtkerns unmittelbar an einer Schleife des Flusses Sieg. Blankenberg befindet sich aber nicht unmittelbar am Fluss, sondern auf einem steilen Bergkamm oberhalb der Sieg.
Der Name Blankenberg dürfte dadurch entstanden sein, dass zur Sieg hin das blanke Gestein des Berges sichtbar ist.
Eine erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1171 durch den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg, der der Äbtissin Gepa und dem Konvent der heiligen Jungfrauen zu Köln (später St. Ursula genannt) die Existenz eines Freihofes „in blanckenberge“ mitteilt. Die Burg Blankenberg dürfte zwischen 1150 und 1180 errichtet worden sein.
Im Jahr 1363 ging die Burg mit Stadt und dem Umland an die Grafen und späteren Herzöge von Berg. Das Gebiet wurde nun auch Amt Blankenberg genannt. Ende des 15. Jahrhunderts war es das größte Amt des Herzogtums Berg. 1805 verlor Stadt Blankenberg die Stadtrechte, als das Herzogtum Berg nach dem Vertrag von Schönbrunn an Napoleon überging.
Das Kloster war eine Zisterzienser-Abtei im Siebengebirge auf dem heutigen Stadtgebiet von Königswinter. Die Klosterruine Heisterbach liegt zwischen Oberdollendorf und Heisterbacherrott im Tal des Heisterbachs. 1192 zogen die Zisterzienser in das Tal unterhalb des Petersberges und gründeten dort das Kloster Heisterbach („Heister“ = junger Buchenstamm), das auch Sankt Peterstal genannt wurde. Am 18. Oktober 1237 wurde der Neubau der Abteikirche mit einer Länge von 88 Metern und einer Breite von 44 Metern geweiht. An Größe wurde sie nur vom Kölner Dom übertroffen.
Mit der Säkularisation wurde die Abtei Heisterbach 1803 aufgehoben. Die bergische Landesregierung bot am 18. Oktober 1804 das Kloster vergeblich zum Verkauf an. Die Kirche wurde 1809 zum Abbruch an einen französischen Unternehmer verkauft. Die Steine verwendete man zum Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss. Später wurden sie auch für die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz verwendet.
19. September 2026 |
Aachen – Krönungs- und Kaiserstadt des frühen Mittelalters

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Unsere zweite Fahrt führt uns auch in diesem Jahr direkt an die deutsche Westgrenze, in die Stadt Karls des Großen, in die Kaiserstadt Aachen. Die Die Aachener Pfalz war die bedeutendste Pfalz Karls des Großen und wurde seine Grablege. In der Folge wurde Aachen später Reichsstadt und fast 600 Jahre lang Krönungsort von 31 römisch-deutschen Königen. Das Wahrzeichen der Stadt, der Aachener Dom, geht auf die als Meisterwerk der karolingischen Baukunst geltende Pfalzkapelle der von Karl dem Großen gegründeten Aachener Königspfalz zurück. Gemeinsam mit dem Domschatz wurde der Dom im Jahr 1978 als erstes deutsches und als weltweit zweites Kulturdenkmal in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) verfügt Aachen neben weiteren Hochschulen über eine der größten und traditionsreichsten technischen Universitäten Europas. Die Stadt ist Bischofssitz des Bistums Aachen und Austragungsort des alljährlich stattfindenden Reitsportturniers CHIO Aachen. Ferner ist sie insbesondere durch die Aachener Printen als lokale Spezialität ein bedeutender Standort der deutschen Süßwarenindustrie. Bedingt durch die Grenzlage „im Herzen Europas“ finden sich zahlreiche kulturelle, besonders auch architektonische Einflüsse aus den Nachbarregionen. Wohl nicht zuletzt auch aufgrund dieses europäischen Charakters – schon zu Lebzeiten wurde Karl der Große, der Aachen zum politischen, kulturellen und spirituellen Zentrum seines Reiches machte, Pater Europae („Vater Europas“) genannt – wird hier seit 1950 jährlich der Internationale Karlspreis für Verdienste um den europäischen Einigungsprozess an Persönlichkeiten des In- und Auslands verliehen.
Die Vorträge finden, wenn kein anderer Raum ausdrücklich angegeben wird,
im Mehrzweckraum des Bürgerhauses Radevormwald, Schlossmacherstr. 4-5 statt.
Geschichtsinteressierte Nichtmitglieder sind herzlich willkommen.
Programmänderung vorbehalten.
Alle Veranstaltungen werden in der Presse angekündigt.
Die Teilnahme an den Veranstaltungen erfolgt auf eigene Gefahr.
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